industriedesign + gebrauchsgrafik + interfacedesign + corporate design

Eszett schreibt man jetzt groß
[Das ß als Versalie]

Das ß ist ein Buchstabe, der über mehrere Ursprünge verfügt (je nachdem ob man Antiqua- oder Frakturschriften betrachtet), er ist aber keine Ligatur von einem langem S und einem Z, wie der Name suggeriert (weiteres in der unten angeführten Literatur). Da dieser Buchstabe immer im Wort steht, ist er auch nur als Kleinbuchstabe in Verwendung, in einem Wort mit Versalien wird dieser Buchstabe zum Doppel-S. Seit dem nun via Computer der Schriftsatz jedem zugänglich ist, wird diese Regel permanent übergangen und so kann man sich jedes Jahr aufs neue davon überzeugen, wenn in einer Zeitungsanzeige mal wieder der GROßE SCHLUßVERKAUF angekündigt wird.
Das nun hier behandelte Versal-ß existierte schon in Schriftsätzen um 1900 herum und wurde sogar in den 1960er Jahren auf dem Bucheinband der Duden-Ausgabe (Der große Duden) der ehemaligen DDR verwendet, dennoch ist es im Gebrauch ungewohnt bis unbekannt. So ist es auch kein Wunder, daß dieser Buchstabe es bis jetzt nicht in den Zeichensatz des Computers geschafft hat.

Versal Eszett Versal ß
Die Verwendung und Verbreitung des Versal-Eszett wäre allerdings recht wünschenswert, und das nicht nur aus typografisch-ästhetischen, sondern auch aus praktikablen Gründen: wer in seinem Namen ein ß hat, kennt das Problem, daß er einer Verwechselungsgefahr ausgesetzt sein kann. So werden auf vielen maschinenlesbaren Dokumenten (wie bsp. auf dem Personalausweis) Großbuchstaben verwendet, folglich kann z.B. der Name RÖSSLER nun normal geschrieben Rössler oder Rößler bedeuten.
Wem das vielleicht ein bißchen zu deutschtümelig erscheint, der sollte bedenken, daß die deutsche Sprache Amtssprache in vier Ländern ist und auch die luxemburgische Sprache den Buchstaben ß beinhaltet. In der Schweiz allerdings wird das Eszett nicht verwendet und durch ein Doppel-S ersetzt.
 
Schriften mit Versal Eszett Versal ß
 

Die SIGNA-Heftreihe, die Themen aus den Bereichen Signografie und Typografie behandelt, hat nun dem Versal-Eszett eine eigene Ausgabe gewidmet. Zusätzlich werden auf der Webseite die oben gezeigten Versal-Schriften als Freefonts zum Download angeboten.
Sollten diese Schriften in Publikationen zum Einsatz kommen, erbitten sich die SIGNA-Autoren um Zusendung eines Exemplars (auch in digitaler Form via Email), um die Verwendung dieses Buchstaben dokumentieren zu können. Fernziel ist es, die Aufnahme des Versal-Eszetts in den UNICODE zu erreichen, wofür ein aktueller Gebrauch nachgewiesen werden muß.

Update Mai 2007: nach langen Bemühungen ist es nun gelungen, das UNICODE Konsortium von der Notwendigkeit des Versal-Eszetts zu überzeugen. Vorraussichtlich wird ab nächstem Jahr das Versal-Eszett zum Bestandteil des UNICODES werden. Es wird also spannend werden, wie sich dieser für viele quasi neue Buchstabe im Alltag bewährt und wie Typografen und Font-Anbieter mit dieser Neuerung umgehen werden.

[zur SIGNA Webseite >]
[zum aktuellen Heft und Download >]

 
Copyright Gunnar Donis | Impressum